pool position #01.

fritz scheibler. familienaus(f)stellung.
vortrag. (5/6)

Ich m�chte auf das Thema: Familienaufstellung gleich zur�ckkommen. Aber vorher m�chte ich Ihnen aber einige Bilder von ber�hmten Pers�nlichkeiten im Kreise ihrer Familie zeigen.

 

Hier sehen Sie z. B. die Schauspielerin Eva-Maria Hagen mit ihrer Tochter Nina. Nina gilt als Ikone des deutschen Punk. Ihre Tochter - Kosma-Shiva Hagen - ist wieder Schauspie-lerin. Sehen Sie, ein typisches Beispiel von Genmodulation: Schauspieler-S�nger-Schauspieler.

 

Hier sehen Sie die Kelly-Family. Ach nein, Entschuldigung, die Adams-family.

 

Hier sehen sie die Kelly-Family: Oh, Entschuldigung, das sind ja wir! Also, darf ich vorstelllen: Das ist meine Freundin Thandiwe, das ist mein Bruder Mathias und das ist Istv�n. In meiner Familie ist �brigens auch eine ganz interessante Genmodulation vonstatten gegangen: Mein Urgrossvater v�terlicherseits war Ingenieur. Er hiess Eduard und baute Dampfmaschinen in Wien.

Mein Grossvater hiess Eduard, war Ingenieur und baute Dampfturbinen in Budapest. Mein Vater heisst Eduard, ist Ingenieur und programmierte Computer. Sie merken: Eine leichte Modulation.Aber wie extrem sich diese Modulation auswirken kann, sieht man dann in unserer Generation: Mein �ltester Bruder Mathias, heisst nur noch mit zweitem Namen Eduard und ist Biologe. Sein Zwillingsbruder ist Illustrator. Ich bin Soziologe. Weit weg von jeglicher Ingenieurskunst werden sie jetzt sagen. Sind die �berhaupt die S�hne dieses omin�sen Eduard Scheibler? Diese Ingenieursgene sind rezessiv, genau wie die Kunstgene!

 

Merken Sie eigentlich die bedingungslose Logik dieses Vor-trages? Scheiblers, dann Einsteins dann die Tells. Seit Andy Warhol ist Alberts Bild eine Ikone. Ein Symbol f�r das unangepasste Genie. Den verwirrten Professor. Nie sieht man ihn mit Familie. Man k�nnte sich �berlegen, welchen Einfluss seine schw�bischen Handwerkereltern (sie hatten ein kleines Elektrogesch�ft in Ulm) auf sein sp�teres Werk hatten.

 

Lassen Sie mich noch, als kleines Dankesch�n an die Gast-geber - wie versprochen - eine weitere Ikone dieses Landes zeigen. Wilhelm Tell nebst Sohn Walter. Dieses Bild demonstriert besonders eindr�cklich die famili�re Bedingtheit grosser Taten. Was w�re Tell ohne seinen Sohn. «Er h�tte den Apfel ja jedem x-beliebigen anderen vom Kopf schiessen k�nnen», werden Sie jetzt sagen. Nein! Sag ich.

Sehen sie nicht die Bedeutung, die Symbolik in dieser Szene? Jemanden x-beliebigen im Falle eines Fehltreffers abzuknallen ist traurig. Aber den eigenen Sohn? Sehen Sie die Parallele zu Abraham, als er seinen einzigen Sohn opfern wollte�? Also die historische Vater Sohn- Dyade. Abraham- Isaac, Tell-Tell junior, � K�nnen Sie sich eigentlich vorstellen, was diese S�hne da mitgemacht haben m�ssen?! Vater, was machst Du da? Ich? Och, nichts Besonderes! Ich mach� nur so �nen kleinen Altar� Und das Messer, Vater? Och, das brauch ich nur zum Reisigschnei-den � Jetzt stellen sie sich einmal vor, was da unbewusst f�r Ängste erzeugt werden, welche Delegationen da �bertragen werden. Kein wunder wenn Generati-onen von S�hnen in psychodramatischen Sitzungen immer und immer wieder ihre V�ter ermorden m�ssen �

Damit sind wir schon wieder beim Thema: Die Familienaufstellung.
Ich halte die Betrachtung eines Werkes vor dem sozialen und insbesondere famili�ren Hintergrund - oder auch - im famili�ren Spannungsfeld f�r �beraus interessant und Erkenntnisreich. In der Familienaufstellung nach Hellinger stellt ein Klient seine Familie um sich auf und erf�hrt dadurch mehr �ber sich und seinen/ihren Platz innerhalb dieser Familie.

Eine Familienausstellung so wie wir sie hier vorfinden, scheint mir dagegen noch weit mehr und weit intensivere Einblicke zu versprechen; und zwar f�r die Besucher und die K�nstlerinnen in gleichem Masse.
Der Unterschied zur Hellinger�schen Familienaufstellung besteht m. E. in drei Punkten:

> Zum ersten darin, dass nicht Pers�nlichkeiten, sondern Kunstwerke - als Repr�-sentanten oder Signifikanzen dieser Pers�nlichkeiten -aufgestellt werden.
> Zum zweiten besteht der Unterschied darin, dass nicht nur eine Person sich im Bezug auf ein - verh�ltnism�ssig starres und Abstraktes - Feld virtueller Familienangeh�riger, sondern dass drei lebendige und authentische K�nstler-innen ihre Werke in Echtzeit-Interaktion Aus- oder aufstellen. Diese Art der Familienaufstellung scheint mir also wesentlich dynamischer und explosiver zu sein als die Hellinger�sche Variante.
> Der dritte Unterschied ist, glaube ich, dass hier (im Gegensatz zu einer Familienaufstellung) nicht der Wunsch einer Heilung gehegt wird.

Trotzdem - oder gerade deswegen - liegt es mir am Herzen, Ihnen zum Schluss Ihnen diese Worte Hellingers noch mit auf den Weg zu geben:
«Das Familien-Stellen, wie ich es verstehe und anwende, bringt nun ans Licht, wo wir [im Sinne der dargestellten Annahmen] verstrickt sind und welche Schritte zur Entflechtung und L�sung f�hren. Diese Schritte haben alle mit der W�rdigung anderer zu tun. Eine Ausnahme bilden die M�rder. Man muss sie aus dem System ziehen lassen, damit sie zu ihren Opfern gehen. Dort finden sie Frieden.»

 

 

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